Ist das iPhone ein ewiger Klassiker?

Oft genug wird der Umstand verwischt, dass natürlich auch Apple das Smartphone nicht erfunden hat, vielmehr wurde damals im Vorfeld der großen Präsentation des iPhones in 2007 in bester eklektizistischer Natur alles zusammengeklaubt und vor allem beim Design auf große Hose gemacht. Da passt es ganz gut, dass Peter Thiel, der Gründer von Paypal einst meinte, das iPhone wäre technologisch kein Quantensprung und es sei absurd, diese Geräte mit der Erfindung der Dampfmaschine oder der Mondlandung zu vergleichen. Passt also der Begriff Klassiker überhaupt in diese Branche?

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Begriffsklärung

Zunächst einmal ist die Rede vom Klassiker ein wenig voreilig: Als klassisch gelten Stil und Epoche in der Literatur und Philosophie, es handelt sich also um die Wiederaufnahme von älteren Traditionen oder wahlweise auch um eine thematische Neuinterpretation vergangener Stoffe, oft ist das Ganze eine Idealisierung. Lässt sich das nun auf das Smartphone, seines Zeichens lediglich ein technisches Gerät anwenden?

Kult und Fetisch

Man darf sogar noch tiefer in die Geisteswissenschaften eintauchen und fragen, ob das iPhone mit seiner großen Anhängerschaft fast schon kulthafte Züge annimmt und hier ist Siegmund Freuds Rede vom Fetischcharakter der Dinge wichtig. Zweifellos schätzen, ja verehren manche Leute dieses Smartphone von Apple, es gibt unzählige Chatrooms und Foren, die sich allein mit der Weiterentwicklung selbst völlig unbedeutender Details beschäftigen. Geht das iPhone beispielsweise verloren oder wird beschädigt, so ist der Schmerz darüber nicht allein eine Klage ob der verlorenen Daten, nein auch das Gerät als treuer Begleiter steht zur Debatte. Vergessen sollte man zudem auch auf keinen Fall jene endlosen Schlangen vor dem Apple Store wenn sich ein neues Modell ankündigt, was durchaus mit einer Wallfahrt verglichen werden kann.

Klassiker oder doch eher nur eine Marke?

Der wahre, echte Klassiker bewährt sich in seiner ursprünglichen Form über die Zeiten hinweg. Das iPhone ist hingegen ein Gerät mit dem jeweils aktuellen Stand der Technik, durchweg kommerzialisiert und zudem, das wird oft unterschätzt, von unzähligen beinahe gleich aussehenden Alternativen flankiert. Zwar könnte man argumentieren, dass diese allesamt von Apple abkupfern, aber ob das dann schon für das iPhone zu einer beispielsweise in 100 Jahren wiederaufgenommenen Struktur der dann verfügbaren Technik reicht? Das ist kaum vorstellbar und so bleibt dieses Smartphone in erster Linie ein Produkt, eine Marke, ein werbemäßig wirksames Placebo, das die Menschen verführt, obwohl es ohne die Eingabe und Verwendung durch den Menschen nur eine Plastebox mit ein paar verlöteten Metallen und wenig mehr sein mag.