Wie sich Design und Bedeutung beim Smartphone ändern

Ästhetik ist nicht einfach nur eine Kategorie in der Kunst oder auch beim Kochen, vielmehr erstreckt sich optisches Wohlgefallen, um einmal bei Immanuel Kant zu bleiben, natürlich auch auf Dinge des Alltags. Warum also das heute so wichtige Smartphone von ästhetischen Betrachtungen ausnehmen? Zugleich sind die praktischen Geräte für die Mobilität grundlegend auch in ihrer Bedeutung heute viel weiter gefasst als noch vor wenigen Jahren und die Geschichte des smarten Telefons lässt sich durchaus mit der Evolution von Mensch und Technik beispielsweise in der Antike vergleichen.

Das Rad neu erfinden?

Die wilden 1980er und 1990er Jahre waren eine Spielwiese für Entwickler von Informationstechnologie. Es zeigt sich damals eine im Vergleich zu heute seltsame Ironie der Geschichte, denn in den ersten Jahrzehnte der mobilen Telefone war das Design weit wichtiger als in 2016 und die Hersteller probierten sich aus mit Klapphandys, Kasten Phones, tragbaren Personal Computern. Es war gut möglich, ein Phone anhand dessen Design dem Hersteller zuweisen zu können, was heute nur auf einen näheren Blick möglich ist. Warum aber kam es zu dieser schon etwas öden Gleichmacherei? Das Rad wurde beim Smartphone auch im Jahr 2007 nicht neu erfunden, als Steve Jobs den Quantensprung iPhone von Apple vorstellte und doch begann an diesem Tag die ästhetische Gleichmacherei im Markt für Mobilfunktechnologie.

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Funktionalität schlägt Esprit

Vor dem Siegeszug der Smartphones setzten die Hersteller zum einen auf Abgrenzung und Wiedererkennungswert, verzichteten zum anderen aber auch zugunsten des Designs auf bestimmte Funktionen. Ein gutes Beispiel sind die Ende der 90er Jahre enorm populären Klapphandys, die ganz bewusst eine weniger funktionale Kamera verwendeten und gerade deshalb so cool daherkamen. Andere Firmen entschieden sich für Praktikabilität und fertig war ein bunter Mix aus Stil und Anwendbarkeit.

Die heutigen Smartphones funktionieren abgesehen vom Betriebssystem im Grunde genommen alle gleich. Und genau diese vom Kunden auch erwartete Technik in Bezug auf Apps, Downloads und Funktionalität lässt sich am besten in einer unscheinbaren, schachtelähnlichen Hülle aufbewahren – so wie das Smartphone eben auftritt, gleich ob nun von Apple, Samsung, LG oder Nokia. Da sind im Moment keine ästhetischen Sprünge mehr zu erwarten.

Die Frage der Bedeutung

Neben dem Design wandelt sich aber auch die eigentliche Bedeutung: Während früher smart hieß möglichst viele Funktionen in einem Gerät zu vereinen, Stichwort Konnektivität, ist es nun der Anspruch, das Smartphone als ständigen Begleiter für alle Lebenslagen am Mann oder an der Frau zu haben. Die Apps sind hier die eigentlichen Meilensteine, lässt sich doch jede Situation irgendwie auch mit einer solchen Applikation erfassen und Philosophen jedenfalls halten die Geräte als Vorboten der künftigen Verschmelzung von Mensch und Maschine. Es geht nicht mehr nur um Kommunikation, es geht um Verbesserung, um technologisches Enhancement und das ist eine immens spannende Entwicklung.